Veröffentlicht am von Lena Schubert
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Die Ergebnisse der reCOVer-Studie zeigen, dass das Medikament BC007, auch bekannt als Rovunaptabin, bei bestimmten Long-COVID-Betroffenen die schwere Erschöpfung, die mit dieser Krankheit einhergeht, signifikant lindern kann. Diese Entdeckung des interdisziplinären Forschungsteams des Uniklinikums Erlangen könnte einen Wendepunkt für Patientinnen und Patienten darstellen, die Monate nach einer COVID-19-Infektion unter anhaltenden Beschwerden leiden.
Long COVID, auch als Post-COVID-Syndrom bezeichnet, ist ein Zustand, bei dem Patienten nach der akuten Phase einer COVID-19-Infektion weiterhin gesundheitliche Probleme erleben. Die Symptome sind vielfältig und reichen von Atembeschwerden über neurologische Störungen bis hin zu extremen Erschöpfungszuständen, medizinisch als Fatigue bezeichnet. Diese Erschöpfung kann die Lebensweise der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und führt oft zu einer drastischen Einschränkung der Alltagsaktivitäten. Viele Betroffene haben bisher kaum Unterstützung in Form von gezielten therapeutischen Ansätzen erhalten.
In der reCOVer-Studie wurden 30 Patientinnen und Patienten, die an Long COVID litten, untersucht. Ein zentrales Kriterium für die Teilnahme war das Vorhandensein spezifischer Autoantikörper im Blut, die möglicherweise eine Rolle bei der Entstehung der Symptome spielen. Durch die gezielte Analyse dieser Autoantikörper konnte das Forschungsteam fundierte Hypothesen über Behandlungsansätze entwickeln.
Die Studie umfasste ein innovatives Design, bei dem die Teilnehmenden zunächst entweder das Wirkmittel BC007 oder ein Placebo erhielten. Nach einer gewissen Zeit wurde die Behandlung gewechselt, sodass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Genuss der BC007-Therapie kommen konnten. Dieser sequenzielle Ansatz ermöglichte es den Forschenden, die Wirksamkeit des Medikaments im Vergleich zu einem Scheinmedikament zu bewerten und dabei eine beschränkte Bias innerhalb der Studienergebnisse zu gewährleisten.
BC007 zielt spezifisch auf funktionelle Autoantikörper ab, die gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR-fAAbs) gerichtet sind. Diese Autoantikörper können im Körper Fehlregulationen verursachen und somit die vielschichtigen Symptome von Long COVID mitverursachen. Die Therapie zielt darauf ab, diese Autoantikörper zu neutralisieren, was zu einer symptomatischen Verbesserung führen kann. Dr. Bettina Hohberger, Studienleiterin, beschreibt die erfreulichen Ergebnisse der Studie: „Die speziellen Autoantikörper verschwanden nach der BC007-Therapie, und die Erschöpfungssymptome nahmen spürbar ab.“
Die Ergebnisse der Studie zeigen nicht nur eine statistisch signifikante Abnahme der Fatigue-Symptome, sondern ebenso eine spürbare Verbesserung der Lebensqualität für die Betroffenen. Viele Teilnehmende berichteten von einer Erleichterung in ihrem Alltag, was die Relevanz und den Wert dieser Forschung unterstreicht. Eine solche individuelle Verbesserung ist für Patientinnen und Patienten, die oft über Monate hinweg leiden, von größter Bedeutung.
Die vielversprechenden Ergebnisse der reCOVer-Studie könnten den Weg für neue Therapieansätze für Personen mit Long COVID ebnen. Dr. Hohberger betont die Notwendigkeit einer individuellen Diagnostik, um geeignete Zielgruppen für die Therapie exakt zu identifizieren. Da die Diagnose und Behandlung von Long-COVID weiterhin eine Herausforderung darstellt, ist die Forschung in diesem Bereich entscheidend. Weitere Studien sind erforderlich, um die Langzeiteffekte von BC007 und andere mögliche Therapeutika zu evaluieren.
Die reCOVer-Studie wurde durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert und stellt einen bedeutenden Schritt in der medizinischen Auseinandersetzung mit Post-COVID-Syndromen dar. Mit weiterführender Forschung und interdisziplinärem Austausch kann potentiell eine Vielzahl von Betroffenen auf den Weg zur Genesung geführt werden.
Quelle: https://www.wiesentbote.de/2025/08/14/uniklinikum-erlangen-hoffnungsschimmer-fuer-long-covid-betroffene/
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