Hanns-Lilje-Stiftungspreis 2023 für Theologinnen, Ethik und koloniale Kontinuitäten in Gesellschaft und Politik

Hanns-Lilje-Stiftungspreis für Wissenschaftler und Initiativen zu gesellschaftlicher Verantwortung, Ethik, Kolonialgeschichte und gesellschaftlichem Wandel, Förderung von Innovation und Forschung.

Theologinnen und Initiativen für Gesellschaft und Politik ausgezeichnet

Am Montagabend wurde in Hannover der renommierte "Hanns-Lilje-Stiftungspreis Freiheit und Verantwortung" verliehen, der mit einer Gesamtsumme von 20.000 Euro dotiert ist. Dieser Preis, eine der höchsten Auszeichnungen für Nachwuchswissenschaftler, würdigt herausragende wissenschaftliche Qualifikationen und zukunftsorientierte Initiativen, die sich mit der Zukunft von Politik und Gesellschaft auseinandersetzen. Mit dieser Auszeichnung wird nicht nur die akademische Exzellenz, sondern auch das Engagement für gesellschaftliche Themen und ethische Fragestellungen honoriert.

Preisträgerinnen im Fokus: Lisanne Teuchert und Nicole Kunkel

In der Kategorie "Wissenschaftspreis" wurden die beiden Theologinnen Lisanne Teuchert und Nicole Kunkel ausgezeichnet. Teuchert, die an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg tätig ist, wurde für ihre Habilitationsschrift mit dem Titel "Die Wiederkehr der Rache. Emotionen, Überzeugungen und Praktiken aus theologischer Perspektive" geehrt. Ihre Arbeit beleuchtet tiefgreifende emotionale und kulturelle Aspekte des Themas Rache aus einer theologischen Sichtweise und stellt in den Kontext ethischer und moralischer Herausforderungen, mit denen Gesellschaften konfrontiert sind.

Nicole Kunkel hingegen untersuchte in ihrer Dissertation die "Tödlichen Funktionen in automatisierten Waffensystemen" aus einer ethischen Perspektive. Ihre Arbeit thematisiert die komplexen moralischen Dilemmata, die durch den Einsatz von Technologie im Krieg entstehen. Beide Auszeichnungen verdeutlichen, wie Theologie und Ethik eng mit aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen verknüpft sind und welche Rolle Wissenschaft in der kritischen Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Konflikten spielt.

Initiativpreis für den Arbeitskreis Koloniale Kontinuitäten

Der "Initiativpreis" des Abends wurde dem Arbeitskreis Koloniale Kontinuitäten aus Oldenburg verliehen, der sich intensiv mit der Geschichte des kolonialen Denkens und Handelns beschäftigt. Der Arbeitskreis zielt darauf ab, die Nachwirkungen kolonialer Strukturen bis in die Gegenwart zu analysieren und in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Diese Auseinandersetzung ist von zentraler Bedeutung, da viele gesellschaftliche Ungleichheiten und Diskriminierungen ihren Ursprung in kolonialen Verhältnissen finden.

Durch die Vergabe des Preises an diesen Arbeitskreis wird die Wichtigkeit des Dialogs über koloniale Vergangenheit hervorgehoben und verdeutlicht, dass gesellschaftlicher Wandel auch eine kritische Reflexion der Geschichte erfordert. Der Arbeitskreis fördert ein Bewusstsein für die historischen und kulturellen Kontexte kolonialer Kontinuitäten und bewegte Fragen zur Identität und zum gesellschaftlichen Zusammenleben.

Der Hanns-Lilje-Stiftungspreis: Ein bedeutender Impuls für Forschung und Gesellschaft

Der Hanns-Lilje-Stiftungspreis, der seit 2010 alle zwei Jahre vergeben wird, hat sich als wichtiger Impulsgeber für wissenschaftliche Forschung etabliert. Benannt nach dem früheren hannoverschen Landesbischof Johannes (Hanns) Lilje, zielt die Auszeichnung darauf ab, den Austausch zwischen Kirche, Theologie, Kunst und Kultur, sowie Politik, Gesellschaft und Wissenschaft zu fördern. Die Initiatoren betonen, dass die Preisverleihung nicht nur die Preisträger, sondern auch die gesamte Gesellschaft bereichert, indem sie relevante gesellschaftliche Themen in den Fokus rückt.

Dieser Preis ist der höchstdotierte, den kirchliche Stiftungen an Nachwuchswissenschaftler sowie Projekte und Initiativen vergeben. Die Unterstützung innovativer Ideen und kritischer Ansätze ist unabdingbar für die Entwicklung einer dynamischen und zukunftsfähigen Gesellschaft. Indem solche Auszeichnungen gewürdigt werden, wird auch der Wert von Forschung sichtbar, die nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch anwendbar ist und gesellschaftliche Veränderung anstrebt.

Fazit: Wissenschaftstäler als Motor der Veränderung

Die Vergabe des Hanns-Lilje-Stiftungspreises verdeutlicht die große Rolle, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie gesellschaftliche Initiativen für die politische und gesellschaftliche Entwicklung spielen. Während Teuchert und Kunkel mit ihren fundierten Forschungsergebnissen wichtige Impulse setzen, zeigt der Arbeitskreis Koloniale Kontinuitäten, wie bedeutend die Auseinandersetzung mit der Geschichte für die Gegenwart ist. Die Verleihung dieser Preise ist eine willkommene Anerkennung und zugleich ein Ansporn für die nächsten Generationen, sich aktiv und verantwortungsvoll mit drängenden Themen unserer Zeit auseinanderzusetzen.

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Jonas Keller

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